Heike Kaiser-Blömker

Praxis für psychosynthetische Wegbegleitung

Einzel- und Paartherapie - Sexualtherapie - Psychoonkologie

Beziehungsdynamische Sexualtherapie

Vor Beginn meiner Fortbildung, war ich bereits einige Jahre verheiratet. Es gab Kämpfe um Macht und Rechthaben. Wir waren beide frustriert, weil wir eine Sehnsucht in uns trugen, die ein ganz anderes Beziehungsmodell meinte. Verschmelzen wollten wir – doch konnten wir die Nähe nicht ertragen. Wir wollten miteinander gehen - doch unsere Macht nicht loslassen. Selbstverantwortlich wollten wir unser Leben, die Beziehung gestalten, doch die Schuld nicht vom Anderen nehmen.

Unser Wissen, dass wir die jetzt nicht gelösten Probleme mit in die nächste Beziehung tragen würden, hat uns immer wieder Neues ausprobieren lassen. Stetes Bemühen und die Hoffnung, Beziehung irgendwann anders gestalten zu können, hat uns immer wieder weiter machen lassen. Respekt, Wertschätzung und Achtung für den Anderen wuchsen stetig, eben weil der Andere nicht einfach aufgab. Unsere wackelige Basis bekam dadurch Stabilität, Weite, Erkenntnis, tiefere Zuneigung und eine stetig wachsende Liebe.

Was genau bedeutet der beziehungsdynamische Ansatz für mich? Das Wesentliche ist für mich, dass Beziehungsdynamik alles andere als Stagnation bedeutet. Dynamik ist Energie und wo Energie ist, ist Reibung und dadurch Veränderung möglich. Und diese Dynamik hat erst einmal dazu geführt, dass ich mit all meinen Vorstellungen und Ideen darüber, wie Beziehung und gelebte Sexualität sein müsste, auf mich selber zurückgeworfen wurde.

"Sexualität ist das, was wir daraus machen: eine teure oder billige Ware, Mittel der Fortpflanzung, Abwehr der Einsamkeit, eine Kommunikationsform, eine Waffe der Aggression (Herrschaft, Macht, Strafe, Unterwerfung), ein Sport, Liebe, Kunst, (…), Luxus oder Entspannung, Belohnung, Flucht, ein Grund der Selbstachtung, ein Ausdruck der Zuneigung, eine Art Rebellion, eine Quelle der Freiheit, Pflicht, Vergnügen, Vereinigung mit dem All, mystische Ekstase, indirekter Todeswunsch oder Todeserleben, ein Weg zum Frieden, eine juristische Streitsache, ... eine sinnliche Erfahrung."
A. K. Offit 1985

Die Brisanz der sexuellen Beziehung

Wie bereit sind Sie, sich tatsächlich zu zeigen? Wieviel Mut haben Sie dafür übrig? Fühlen Sie sich gut in Ihrem Körper? Möchten Sie sich wirklich einlassen? Oder suchen Sie gerade nur Entspannung im Druckabbau? Ist Sexualität vielleicht eine stete Orgasmussuche? Treibt Sie die Sehnsucht nach Nähe ins Bett und am Ende aus dem Bett, weil Sie die Nähe gar nicht aushalten? Was bedeutet Nähe eigentlich? Müssen Sie dafür alle Ihre Grenzen fallen lassen? Was bedeuten Ihre Grenzen für Sie? Wo fangen sie an – wo hören sie auf? Müssen Sie sich beim Sex auf den Anderen einlassen? Wie geht das, ohne dass Sie sich dabei verlieren? Und wenn Sie bei sich sind, können Sie dann auch beim Anderen sein? Wie wichtig sind Sie sich selber beim Sex? Spielt Wichtigkeit eine Rolle? Möchten Sie dominieren? Schaffen Sie es dann auch, die Macht wieder loszulassen? Vielleicht möchten Sie sich unterordnen? Gibt Ihnen der Partner dafür den Raum? Fühlen Sie sich sicher? Was bedeutet Sicherheit beim Sex? Reicht es nicht, wenn Sie sich auf sich verlassen? Und wenn Sie sich verlassen? Was ist, wenn Sie in sich gar nicht zuhause sind? Wo sind Sie dann, und was passiert dann mit Ihnen im Bett? …

Im Bett spüren wir diese Zerrissenheit wahrscheinlich am meisten. Doch passieren all diese (inneren und äußerlichen) Kämpfe auch im alltäglichen Leben. Allerdings fühlen wir uns hier oft nicht so nackt, fühlen uns manchmal sogar überlegen. Dort wirken diese Fragen nicht so existenziell wie in der Begegnung im Bett.

Der eigene Spiegel

Welche Haltung nehmen Sie sich selber gegenüber ein? Wer definiert, wann Sie liebenswert sind? Wer sagt, wie Sie sich zeigen dürfen? Was denken Sie über sich selber? Fühlen Sie sich im Bett ausgeliefert? Und wieso lassen Sie das zu? Was bedeutet es für Sie, sich voll und ganz beim Sex einzulassen? Auf was genau lassen Sie sich denn ein? Auf Ihren Partner (was wäre schlimm daran?) oder auf sich selber? Oder …? Wissen Sie, wer Sie sind und worauf Sie sich einlassen möchten? Wissen Sie um Ihre eigenen Strategien? Sind Sie selber offen und bereit zu teilen?

Synthese der beiden Therapieansätze: Beziehungsdynamik und Psychosynthese

Der beziehungsdynamische Ansatz arbeitet ähnlich wie die Psychosynthese. Er ist prozessorientiert, konfrontativ, spiegelnd. Dabei kann er gerade auch mit Blick auf eigene Schatten, Tabus und Schamthemen konfrontativ und aufdeckend sein. Er ist weniger harmonisierend denn differenzierend. Der beziehungsdynamische Ansatz bringt, genau wie die Psychosynthese, Menschen mit sich selber und/oder anderen (wieder) in Beziehung. Beziehungen werden überspitzt, damit die Dynamik deutlich wird. Er bringt Bewegung in eingefahrene Systeme. Dabei ist er körperorientiert, bietet eher Angebote als Lösungen, und Bedürfnisse haben Vorrang vor allem anderen. Dieser Ansatz entspricht genau wie die Psychosynthese eher einer inneren Haltung als einer Methode, mit der die Dinge wieder gerichtet werden. Auch hier gibt es das Werkzeug der Arbeit mit den verschiedenen Anteilen, gilt es, dass der Mensch sich seiner unterschiedlichen Möglichkeiten und Wirkungsweisen wieder voll bewusst wird. Auch der beziehungsdynamische Ansatz bezieht die Seele ausdrücklich mit ein und bezieht sich auf einen größeren Kontext als die bloße Wirkungsweise im Hier und Jetzt. Natürlich sind wir nur in der Lage, etwas im Hier und Jetzt zu verändern, doch nicht, um uns darin lediglich einen Vorteil für kurze Zeit zu verschaffen, sondern weil wir mit diesen Veränderungen Weichen für die Zukunft stellen können: für mich und für andere.

Die Psychosynthese bietet auch sehr viele Möglichkeiten, sich mit sich selber und anderen wieder gut in Kontakt zu kommen. Doch das Feld der beziehungsdynamischen Sexualtherapie hat meinen Erfahrungsschatz in den sexuellen Strukturen in Partnerschaften erweitert und mich für bestehende Dynamiken sensibilisiert. Für mich ergänzen sich die beiden Therapieansätze. Mein Wirkungshorizont ist dadurch noch größer geworden. Für mich ist das gelebte Synthese!